Familienratgeber

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Patchworkfamilie

Was ist eine Patchworkfamilie?

Über Dreiviertel der minderjährigen Kinder in Deutschland wachsen bei ihren leiblichen Eltern auf. Doch in knapp 14 Prozent aller Haushalte leben Kinder in Stieffamilien.

Neu ist diese Familienform nicht. Bis ins vergangene Jahrhundert hinein führte vor allem der Tod eines Elternteils dazu, dass neue Partner - eventuell mit eigenen Kindern - in die Familie kamen und sich so eine Stieffamilie gründete. Heute sind es vorrangig Scheidungen, die zu Stieffamilien führen.

Stiefmutter und Stiefvater bzw. Stiefkinder – die Vorsilbe "Stief" kommt aus dem Germanischen und bedeutet "beraubt". Eine "Beraubung" durch den Tod eines Elternteils  machte  lange  eine schnelle Wiederverheiratung notwendig, um die Familie über die Runden zu bringen.

Stiefeltern stehen aber – wie wir aus den Märchen wissen – nicht im allerbesten Ruf. Heute spricht man lieber von Patchworkfamilien. Das klingt viel lustiger – nach buntem Flickenteppich“.

Zu den Patchworkfamilien können auch Pflege- und Adoptivfamilien sowie gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern gezählt werden – eben bunt zusammen gewürfelte Familien.

Rechtsfragen in der Patchwork – Familie

Stiefkinder und Stiefeltern gelten gesetzlich nur als verschwägert, nicht als verwandt. Stiefkinder sind damit nicht erbberechtigt, wenn sie nicht im Testament als Erben eingesetzt werden. Ein Anspruch auf Unterhalt gegenüber Stiefeltern besteht nicht. Unterhaltspflichtig bleiben die leiblichen Eltern. Ebenso bleiben sie in der Regel gemeinsam sorgeberechtigt - über Scheidung und Wiederverheiratung hinaus. Das bedeutet: Stiefeltern können für Stiefkinder keine Entscheidungen treffen. Es sei denn, die leiblichen Eltern erteilen dem neuen Partner eine Vollmacht, die es auch ihm gestattet, Alltagsentscheidungen für das Kind zu treffen. Das ist vor allem dann ratsam, wenn z. B. die Stiefmutter den Alltag mit dem Kind lebt.

Anders sieht es aus, wenn der leibliche Elternteil das alleinige Sorgerecht hat. Dann kann er dem Stiefvater oder der Stiefmutter das „kleine Sorgerecht“ übertragen. Dann kann bei Dingen des täglichen Lebens auch der Stiefelternteil Entscheidungen für das Kind treffen. Ja, er kann notfalls, wenn der leibliche Elternteil nicht erreichbar ist, auch über schwerwiegende Dinge wie etwa eine Operation entscheiden.

 (s. Alleinerziehende / getrennt lebende Eltern

Wer wem was sagen darf, kann sich besonders dann kompliziert gestalten, wenn beide Partner Kinder aus früheren Beziehungen in die Patchworkfamilie einbringen und vielleicht noch gemeinsame Kinder hinzukommen. In einer solchen Familienkonstellation ist jenseits der rechtlichen Seite Fingerspitzengefühl notwendig und vor allem Geduld mit den Kindern.

Zumal sich die Position eines Kindes in der Patchworkfamilie gegenüber der Zeit zuvor u. U. erheblich ändern kann. Vielleicht wird es jetzt zum jüngsten oder ältesten Kind, muss die Position des einzigen Mädchens jetzt mit einem anderen Mädchen teilen, ja muss vielleicht überhaupt teilen lernen, wenn es zuvor ein Einzelkind war.

Vor dem Beginn einer Patchworkfamilie liegt für das Kind meist die Trennung der Eltern, die ihm zu schaffen macht. Säuglinge und Kleinkinder, die bei ihrer Mutter bleiben, verkraften die Trennung relativ gut. Kinder im Kindergarten und Vorschulalter brauchen hingegen eine Trauerzeit um sich mit der Trennung der Eltern zurechtzufinden. Kinder zwischen 6 und 12 Jahren haben es besonders schwer, sie sollen jetzt an Stelle des geliebten Vaters oder der geliebten Mutter einen Ersatzvater oder eine Ersatzmutter akzeptieren und geraten in erhebliche  „Loyalitätskonflikte“, wenn sie den neuen Partner auch sympathisch finden. Teenies wiederum haben Schwierigkeiten, die Autorität des neuen Partners zu akzeptieren..

„Einbenennung“ – Namensangleichung in einer Stieffamilie

Wenn Vater oder Mutter wieder heiraten und einen neuen Familiennamen tragen, behalten die in die neue Beziehung mitgebrachten  Kinder ihren Geburtsnamen. Der „andere“  Nachname kann aber u. U. die Integration des Kindes in die neue Familie erschweren.

Um auch äußerlich ein Zeichen für die Zusammengehörigkeit der neuen Familie zu setzen, gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch nach § 1618 BGB die Möglichkeit der so genannten Einbenennung: Der leibliche Elternteil und sein neuer Ehepartner können dem Kind durch eine Erklärung vor dem Standesamt ihren Ehenamen erteilen oder diesen dem bisherigen Nachnamen des Kindes zufügen .

Bei gemeinsamem Sorgerecht mit dem Expartner, muss dieser der Einbenennung allerdings zustimmen. Seine Einwilligung kann jedoch durch das Familiengericht ersetzt werden, wenn es das Wohl des Kindes erfordert. Wenn das Kind das fünfte Lebensjahr vollendet hat, ist auch seine Einwilligung zur Namensänderung notwendig.

Wichtig: Die Einbenennung ist endgültig, eine Rückkehr zum ursprünglichen Namen ist nicht möglich.

Stiefkindadoption

Oft besteht der Wunsch, Stiefkinder als Zeichen der Zusammengehörigkeit zu adoptieren. Dem muss aber immer der andere leibliche Elternteil zustimmen.

Durch eine Stiefkindadoption wird ein Kind gemeinsames Kind der Eheleute. Das Abstammungsverhältnis zum anderen leiblichen Elternteil wird beendet. Die Stiefkindadoption führt damit zum vollständigen Verlust der Rechtsbeziehungen zum getrennt lebenden leiblichen Elternteil und dessen Verwandtschaft, auch zu den Großeltern des Kindes - es gibt kein  Erb- und Umgangsrecht mehr. Ein weit reichender Schritt!

Dafür übernimmt das  adoptierte Kind gegenüber dem Stiefelternteil alle Verpflichtungen, wie sie auch ein  leibliches Kind hat, und zwar unabhängig davon, ob die neue Ehe  seiner Mutter oder seines Vaters Bestand hat.