Vorallem bei Drillingsschwangerschaften und Schwangerschaften mit höhergradigen Mehrlingen wird unter Umständen zu einem selektiven Fetozid, d.h. der pränatalen Reduktion von Mehrlingen geraten. Dabei wird aufgrund einer medizinischen Indikation mindestens eines der ungeborenen Kinder getötet. Die medizinische Indikation kann durch die Behinderung eines Kindes begründet sein. Insbesondere bei höhergradigen Mehrlingen soll die Reduktion die Überlebens- und Entwicklungschancen der Geschwister erhöhen.
Für gewöhnlich wird von der Entscheidung zum selektiven Fetozid eine pränatadiagnostische Untersuchung durchgeführt, bei der festgestellt werden kann, ob eines der Kinder eine Erkrankung oder Behinderung hat, um die Wahl des Kindes, das getötet werden soll, zu erleichtern. Sind alle Kinder gesund, wird meist das kleinste Kind ausgewählt. Die Tötung erfolgt durch eine Injektion oder durch die Unterbindung versorgender Blutgefäße. Der Eingriff kann eine Fehlgeburt auslösen, bei dem letztlich alle Kinder verloren werden. Dieses Risiko liegt bei etwa 15%.
Die betroffenen Paare müssen innerhalb weniger Wochen entscheiden, ob sie alle Kinder austragen oder reduzieren. Dabei werden sie oft nur von Medizinern beraten. Sie kennen keine Paare, die in der gleichen Situation sind oder waren. Fetozid ist ähnlich wie die Abtreibung ein Tabuthema, was die Entscheidungsfindung erschwert. Besonders problematisch ist die gängige Praxis in der Reproduktionsmedizin, Mehrlingsschwangerschaften zugunsten eines Wunschkindes in Kauf zu nehmen und bei geglückter Schwangerschaft zu reduzieren. Paare, die lange auf den ersehnten Nachwuchs warten mussten, müssen nun ein oder mehrere Föten in den Tod schicken...
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